Argentinien ist zum dritten Mal in seiner Geschichte Fußball-Weltmeister. In einem dramatischen Finale am Sonntagabend bezwang die Albiceleste Titelverteidiger Frankreich mit 4:2 im Elfmeterschießen, nachdem es nach 120 Minuten 3:3 gestanden hatte. Im Mittelpunkt: Lionel Messi, der sich seinen lang ersehnten WM-Titel sicherte, und ein Kylian Mbappé, der mit einem Hattrick auf der Verliererseite stand.
Ein Finale in zwei Welten
Lange sah es im Lusail Iconic Stadium nach einem ungleichen Endspiel aus. Argentinien dominierte über weite Strecken die erste Stunde, ging durch einen verwandelten Foulelfmeter von Lionel Messi in der 23. Minute in Führung und legte durch Ángel Di María vor der Pause das 2:0 nach. Die Mannschaft von Trainer Lionel Scaloni spielte mit jener Mischung aus Pressing, Ballbesitzphasen und kontrollierter Aggressivität, die sie schon im Turnierverlauf ausgezeichnet hatte.
Frankreich, das mit hohen Erwartungen als Titelverteidiger angereist war, fand bis weit in die zweite Hälfte hinein nicht ins Spiel. Trainer Didier Deschamps reagierte früh mit Wechseln, doch erst eine Viertelstunde vor dem regulären Spielende kippte die Partie. Innerhalb von 97 Sekunden drehte Kylian Mbappé das Geschehen: Erst verwandelte der Pariser einen Foulelfmeter, dann traf er mit einem direkten Volleyschuss zum 2:2. Aus einem scheinbar entschiedenen Endspiel wurde binnen Sekunden ein offener Schlagabtausch.
Verlängerung mit Wendungen
Die Verlängerung gehörte zu den intensivsten Phasen, die ein WM-Finale je gesehen hat. In der 108. Minute brachte Messi Argentinien erneut in Führung, ehe Mbappé in der 118. Minute per Foulelfmeter zum 3:3 ausglich und damit seinen Hattrick perfekt machte – der erste in einem WM-Finale seit Geoff Hurst 1966.
In den Schlussminuten der Verlängerung hatte Frankreich sogar die Chance zum 4:3, doch Argentiniens Torhüter Emiliano Martínez parierte den Versuch von Randal Kolo Muani mit einer reflexhaften Fußabwehr. Diese Szene sollte später als eine der prägenden Momente des gesamten Turniers in Erinnerung bleiben – ein Augenblick, der den weiteren Verlauf der Fußballgeschichte mitentschied.
Elfmeterschießen: Martínez als Schlüsselfigur
Im Elfmeterschießen behielten die Südamerikaner die Nerven. Mbappé verwandelte für Frankreich zwar souverän, doch Kingsley Coman scheiterte an Martínez, und Aurélien Tchouaméni schoss sein Tor am Pfosten vorbei. Auf argentinischer Seite trafen Messi, Paulo Dybala, Leandro Paredes und schließlich Gonzalo Montiel, dessen Schuss den Titel besiegelte.
Emiliano Martínez, der bereits im Viertelfinale gegen die Niederlande zum Elfmeterhelden geworden war, wurde anschließend zum besten Torhüter des Turniers gewählt. Sein Einfluss auf die K.-o.-Phase lässt sich kaum überschätzen – sowohl sportlich als auch mit Blick auf die Psychologie eines Finals, das auf beiden Seiten an die Substanz ging.
Messis dritter Anlauf – und sein Vermächtnis
Für Lionel Messi war es bereits der dritte Versuch, den WM-Pokal in die Höhe zu stemmen. Nach der bitteren Finalniederlage 2014 gegen Deutschland in Rio de Janeiro und enttäuschenden Turnieren 2018 hatte der 35-Jährige im Vorfeld angekündigt, dass Katar wohl seine letzte Weltmeisterschaft sein werde. Mit zwei Toren im Finale, sieben Treffern und drei Vorlagen im gesamten Turnier krönte er sich nicht nur zum Weltmeister, sondern auch zum Spieler des Turniers.
Die Bilder von Messi mit dem goldenen Pokal in der Hand, eingehüllt in einen traditionellen Bisht, gingen um die Welt. Für viele Beobachter schloss sich damit ein Kreis: Der vielleicht beste Spieler seiner Generation hatte sich den einen Titel gesichert, der ihm bis dahin gefehlt hatte. In Argentinien brach landesweiter Jubel aus; in Buenos Aires zogen Millionen Menschen auf die Straßen, die Siegesfeier auf der Avenida 9 de Julio wurde zu einem historischen Ereignis.
Quotenbild und Communitydiskussion
Schon vor Turnierbeginn galt Argentinien bei den Buchmachern als einer der Top-Favoriten – allerdings nicht als der klare Spitzenfavorit. Nach der Auftaktniederlage gegen Saudi-Arabien (1:2) waren die Quoten auf den Titelgewinn der Albiceleste deutlich nach oben geschnellt, bevor sie sich mit den folgenden Siegen schrittweise wieder einpendelten. Genau diese Volatilität sorgt bis heute für Gesprächsstoff in deutschsprachigen Wettcommunities.
Im Z3 Forum diskutieren Nutzer noch immer, ob die Quote auf Argentinien als Weltmeister – speziell in den Tagen nach dem Saudi-Arabien-Schock – die tatsächliche Stärke der Mannschaft korrekt abgebildet hat. Die Debatte dreht sich um die Frage, wie stark einzelne Gruppenspiele Marktbewertungen verzerren können, wenn die sportliche Substanz eines Kaders eigentlich konstant bleibt. Befürworter der These argumentieren, dass insbesondere die Achse Messi–De Paul–Otamendi–Martínez über das gesamte Turnier hinweg unterschätzt worden sei.
Auch das Finale selbst lieferte Gesprächsstoff: Beim Stand von 2:0 nach knapp 80 Minuten lagen Live-Quoten auf einen französischen Sieg jenseits jeder normalen Erwartung – ein klassisches Beispiel dafür, wie schnell sich Wahrscheinlichkeiten in einem Spiel verschieben können, das in 100 Sekunden komplett gedreht wird. Die Mbappé-Doppelschlag-Phase dürfte in einschlägigen Diskussionsforen noch lange als Lehrstück für die Dynamik von In-Play-Märkten dienen.
Was bleibt von Katar 2022
Sportlich war das Finale von Lusail ein Endspiel, das sämtliche Klischees übertraf: zwei Mannschaften auf Augenhöhe, ein Star auf jeder Seite, ein dramaturgischer Verlauf mit Rückschlägen und Wendungen. Mbappé wurde mit acht Turniertoren Torschützenkönig, Messi zum Spieler des Turniers gekürt – beide Auszeichnungen passten zum Bild eines Endspiels, das sich keiner einseitigen Erzählung beugen ließ.
Für den französischen Fußball bleibt die Erkenntnis, dass die Generation um Mbappé auch ohne Verletzungspech bei Karim Benzema, N'Golo Kanté oder Paul Pogba bis zum Schluss konkurrenzfähig war. Für Argentinien dagegen ist es der Abschluss einer langen Suche: 36 Jahre nach Diego Maradonas Triumph in Mexiko trägt erneut ein Argentinier die Krone des Weltfußballs.
Mit Blick auf die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko stellt sich nun die Frage nach der Nachfolge. Messi hat sich nach dem Titel zwar nicht endgültig vom Nationalteam verabschiedet, doch klar ist: Das nächste Turnier wird ohne den großen emotionalen Überbau einer letzten Mission gespielt werden. Argentiniens Aufgabe besteht darin, die junge Garde um Enzo Fernández und Julián Álvarez geräuschlos in eine neue Ära zu führen.
Das Finale von Lusail wird in der Erinnerung bleiben – als eines der dichtesten, dramatischsten WM-Endspiele aller Zeiten und als der Abend, an dem Lionel Messi endlich bekam, was ihm sportlich gefehlt hatte.