Die XXIV. Olympischen Winterspiele in Peking gingen am 20. Februar zu Ende und hinterlassen ein widersprüchliches Bild: sportliche Glanzlichter zwischen Short-Track-Bahn und Eishockey-Endspiel auf der einen, eine streng abgeschottete Pandemie-Inszenierung auf der anderen Seite. Norwegen krönte sich erneut zur erfolgreichsten Nation, Finnland feierte historisches Eishockey-Gold, und China nutzte die Heim-Spiele für eine Demonstration im Short Track.

Norwegen dominiert den Medaillenspiegel

Mit 16 Goldmedaillen sicherte sich Norwegen erneut Platz eins im Medaillenspiegel und untermauerte seine Sonderstellung im Wintersport. Schon in Pyeongchang 2018 hatte die kleine skandinavische Nation den ersten Rang belegt, in Peking baute sie ihren Vorsprung weiter aus. Vor allem im Skilanglauf, in den nordischen Kombinationsdisziplinen und im Biathlon präsentierten sich die Norweger in einer eigenen Liga.

Hinter Norwegen folgten Deutschland und Gastgeber China im Goldranking dicht beieinander. Für die Mannschaft des Deutschen Olympischen Sportbundes waren es vor allem die Rodel-, Bob- und Biathlon-Wettbewerbe, die für Edelmetall sorgten. Die deutschen Schlittensportler bestätigten ihre traditionelle Stärke, während die Eisschnelllauf-Bilanz hinter den Erwartungen zurückblieb.

Auch die Niederlande lieferten erwartungsgemäß auf dem Eisoval ab, Schweden, Österreich und die Schweiz reihten sich im erweiterten Medaillenfeld ein. Die Vereinigten Staaten konnten ihre Position halten, blieben bei den Goldmedaillen jedoch deutlich hinter den europäischen Top-Nationen.

Short Track: Chinas Heimstärke und kontroverse Entscheidungen

Die Short-Track-Wettbewerbe gehörten zu den meistdiskutierten Disziplinen der Spiele. China holte gleich am Eröffnungswochenende in der neuen Mixed-Team-Staffel das erste Gold, ein Auftakt nach Maß für die Gastgeber. Ren Ziwei sorgte zudem im 1000-Meter-Rennen der Herren für den nächsten Heimsieg – nicht ohne Diskussionen, denn südkoreanische Athleten waren zuvor in den Halbfinals wegen Behinderungen disqualifiziert worden.

Die Entscheidungen der Kampfrichter sorgten in Südkorea für einen handfesten Eklat: Verbandsoffizielle sprachen von „unverständlichen“ Urteilen, die südkoreanische Mannschaft drohte zeitweise sogar mit Konsequenzen. Trotz der Aufregung blieb der sportliche Eindruck bestehen, dass China auf der eigenen Bahn in keinem Rennen ohne Medaillenchance an den Start ging.

Die Niederländerin Suzanne Schulting demonstrierte im Frauenfeld erneut, warum sie das Maß aller Dinge ist. Sie verteidigte ihren Olympiasieg über 1000 Meter und stellte dabei einen Weltrekord auf. Mit weiteren Staffelmedaillen verließ Schulting Peking als eine der erfolgreichsten Athletinnen dieser Winterspiele.

Finnlands historisches Eishockey-Gold

Das wohl emotionalste Finale lieferten die Eishockey-Männer. Finnland, das in der Vergangenheit zwar regelmäßig zur Weltspitze gezählt, aber nie olympisches Gold gewonnen hatte, setzte sich im Endspiel mit 3:2 gegen das Russische Olympische Komitee (ROC) durch. Der entscheidende Treffer fiel im Schlussabschnitt und löste in Helsinki Szenen aus, wie man sie zuletzt beim WM-Triumph 2019 gesehen hatte.

Für die finnische Nationalmannschaft, die in Peking ohne NHL-Profis antrat, war es die Krönung eines konsequenten Aufbauprozesses. Trainer Jukka Jalonen sprach von einem „Generationenmoment“, Stürmer Ville Peltonen, längst zur Trainerlegende avanciert, hatte als Spieler 1988 noch von einer solchen Nacht geträumt. Nun ist Finnland endlich auch olympischer Champion.

Slowakei und Schweden sorgten ihrerseits für die Überraschungen des Turniers, indem sie die kanadische Auswahl bzw. die USA aus dem Rennen warfen. Bronze ging schließlich an die Slowaken, die damit ihre erste olympische Eishockey-Medaille überhaupt holten. Bei den Frauen verteidigte Kanada erwartungsgemäß den Titel.

Quoten, Außenseiter und die Stimmung in der Community

Finnlands Olympiasieg war im Wettmarkt zwar kein Sensationstipp im Stil eines Champions-League-Außenseiters, dennoch standen die nordamerikanisch geprägten Buchmacher-Modelle zu Beginn des Turniers eher auf Kanada, ROC und Schweden. In einschlägigen Foren wie dem Z3 Forum wurde die finnische Quote vor dem Halbfinale lebhaft diskutiert – Nutzer verwiesen früh auf die Geschlossenheit des Kaders und den fehlenden NHL-Faktor bei den großen Konkurrenten.

Auch die Short-Track-Entscheidungen sorgten in Community-Diskussionen für Debatten. Wer auf einen koreanischen Doppelsieg im 1000-Meter-Rennen der Herren gesetzt hatte, sah sich nach den umstrittenen Disqualifikationen um den Wetterfolg gebracht. Themen wie Schiedsrichterentscheidungen, Heimvorteil und die Frage, wie stark sportliche Ergebnisse durch Regelauslegung beeinflusst werden, gehörten zu den meistgelesenen Threads während der Spiele.

Im Biathlon hingegen verlief vieles entlang der Erwartungen: Norwegens Johannes Thingnes Bø und Marte Olsbu Røiseland sammelten Medaillen am Fließband, Røiseland kehrte mit fünfmal Edelmetall nach Hause. Der französische Star Quentin Fillon Maillet holte seinerseits zweimal Gold und dreimal Silber – ein Pensum, das selbst erfahrene Beobachter staunen ließ.

Skispringen, Eiskunstlauf und der Schatten der Causa Walijewa

Im Skispringen sorgte Slowenien für einen historischen Auftritt: Ursa Bogataj wurde Olympiasiegerin von der Normalschanze, dazu kam Mannschaftsgold im neu eingeführten Mixed-Team-Wettbewerb der Frauen. Im Herrenfeld holte sich Ryoyu Kobayashi den ersten japanischen Einzel-Olympiasieg im Skispringen seit Jahrzehnten. Bitter verlief der Mixed-Wettbewerb für mehrere Nationen, darunter Deutschland und Österreich: Disqualifikationen wegen zu großer Anzüge sorgten für reichlich Diskussionsstoff.

Im Eiskunstlauf der Frauen krönte sich Anna Shcherbakova zur Olympiasiegerin, vor ihrer Landsfrau Alexandra Trusova und der Japanerin Kaori Sakamoto. Überschattet wurde der Wettbewerb jedoch von der Dopingaffäre um die erst 15-jährige Kamila Walijewa, deren positive Probe vom Dezember erst während der Spiele bekannt wurde. Sie durfte zwar starten, brach im Kürlauf jedoch ein und landete auf dem vierten Platz – die Bilder einer weinenden Teenagerin am Bandenrand gehören zu den traurigsten dieser Winterspiele.

Bei den Männern fuhr der US-Amerikaner Nathan Chen seinen lang erwarteten Olympiasieg ein und stellte im Kurzprogramm einen Weltrekord auf. Im Eistanz triumphierte das französische Duo Papadakis/Cizeron nach ihrer Silbermedaille von 2018 nun endlich auf der höchsten Stufe.

Eine Bilanz zwischen Sport und Pandemie

Die Bilder dieser Spiele bleiben zwiespältig: leere Tribünen, strenge Quarantäneprotokolle, die „Closed Loop“-Blase, die alle Beteiligten von der chinesischen Bevölkerung trennte. Sportlich gelangen Peking 2022 dennoch denkwürdige Momente – von Finnlands Eishockey-Hymne über Schultings Weltrekord bis zur slowenischen Skisprung-Premiere. Wettkampfübergreifend sorgten Diskussionen um Schiedsrichterentscheidungen, Disqualifikationen und den Fall Walijewa für lange Nachwehen.

Mit Blick auf Mailand-Cortina 2026 hat Peking gezeigt, wo die Trends im Wintersport liegen: Norwegens Dominanz wirkt verfestigt