Die Heim-Europameisterschaft endete für die deutsche Nationalmannschaft im Viertelfinale gegen Spanien nach Verlängerung. Was bleibt, ist ein Turnier, das mehr Aufbruch als Triumph war — und ein Kader, der sich mit Blick auf die WM 2026 neu sortieren muss.

Ein Turnier zwischen Aufbruch und Abschied

Als die deutsche Nationalmannschaft am 14. Juni in München mit dem 5:1 gegen Schottland in die Heim-EM startete, fühlte sich vieles plötzlich wieder leicht an. Die schweren Monate nach dem desaströsen WM-Aus in Katar, die Trainerdebatten, die Stimmungslage rund um den Deutschen Fußball-Bund — all das schien an einem milden Sommerabend in der Allianz Arena weggewischt. Julian Nagelsmann hatte seiner Mannschaft eine klare Idee eingeimpft, die Stadien waren voll, das Land begleitete sein Team plötzlich wieder mit jener Mischung aus Hoffnung und Hingabe, die man seit 2014 vermisst hatte.

Drei Wochen später, am Abend des 5. Juli in Stuttgart, war das Turnier vorbei. Spanien siegte 2:1 nach Verlängerung, Mikel Merino traf in der 119. Minute. Die deutsche Mannschaft verließ den Platz erschöpft, mit Tränen, aber auch mit Beifall. Ein Heim-Sommer ohne Titel, aber mit einer veränderten Tonlage rund um die Nationalmannschaft — das ist die ehrlichste Zusammenfassung dieser EM.

Die Gruppenphase: souverän, aber nicht makellos

Sportlich lieferte die DFB-Elf in der Vorrunde ab. Dem klaren Auftakterfolg gegen Schottland folgte ein 2:0 gegen Ungarn, ehe das 1:1 gegen die Schweiz im abschließenden Gruppenspiel die erste Warnung war: Niclas Füllkrug glich erst in der Nachspielzeit aus. Gruppensieg erreicht, Selbstverständlichkeit hergestellt — aber auch ein Hinweis darauf, dass diese Mannschaft gegen kompakte Gegner nicht immer Lösungen findet.

Das Achtelfinale gegen Dänemark in Dortmund war dann der atmosphärisch dichteste Abend des Turniers: Gewitterunterbrechung, Videobeweis-Szenen in beide Richtungen, am Ende ein 2:0 durch Kai Havertz per Elfmeter und Jamal Musiala. Es war ein Sieg, der hängenblieb, weil er Härte und Reife zeigte. Nagelsmann hatte aus einem zerfaserten Kader binnen weniger Monate eine Mannschaft gemacht, die wieder Spiele kontrollieren konnte.

Auffällig: Die Defensivachse mit Antonio Rüdiger und Jonathan Tah stand stabil, Joshua Kimmich auf der rechten Außenbahn funktionierte besser als befürchtet, und vor allem im Mittelfeld fand Deutschland eine Statik, die zuletzt gefehlt hatte.

Kroos, Wirtz, Musiala — drei Pole eines Spiels

Im Zentrum dieses Turniers stand Toni Kroos. Sein Comeback war im Frühjahr noch belächelt worden, am Ende war es die wohl wichtigste personelle Entscheidung Nagelsmanns. Kroos taktete das deutsche Spiel, brachte Ruhe, Präzision und jene Selbstverständlichkeit ins Aufbauspiel zurück, ohne die moderner Fußball auf Top-Niveau kaum zu denken ist. Dass es sein letztes Turnier, sein letztes Pflichtspiel überhaupt war — Kroos hatte bereits im Mai sein Karriereende nach der EM angekündigt — gibt dem Viertelfinale gegen Spanien eine zusätzliche Dimension. Der Abschied fiel hart aus, auch durch ein hartes Foul von Pedri früh im Spiel, das Kroos nicht ungeschehen machen konnte.

Daneben standen die beiden Jungen: Florian Wirtz und Jamal Musiala. Beide zeigten, warum sie das Gesicht der nächsten Jahre sein werden. Musiala traf in der Gruppenphase wiederholt und war mit drei Turniertoren einer der auffälligsten Offensivspieler der ersten Turnierhälfte. Wirtz agierte feiner, manchmal weniger sichtbar, aber als Verbindungsspieler zwischen Kroos und Angriff zentral. Dass beide zusammen funktionieren können, ist nach dieser EM keine Theorie mehr.

Bleibt die Frage nach Kai Havertz, Niclas Füllkrug und der Sturmspitze. Havertz startete, Füllkrug kam als Joker — eine Rollenverteilung, die funktioniert, aber 2026 in Nordamerika nicht selbstverständlich so bleiben wird. Auch İlkay Gündoğans Rolle, der nach dem Turnier seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärte, ist neu zu besetzen.

Das Viertelfinale: an Spanien gescheitert, nicht an sich selbst

Das 1:2 gegen Spanien war keines jener Spiele, die man als deutsches Versagen ablegen kann. Spanien war über weite Strecken die spielbestimmende Mannschaft, Dani Olmo brachte die Iberer in Führung, Florian Wirtz glich spät zum 1:1 aus und rettete Deutschland in die Verlängerung. Diskussionsstoff lieferte eine ungeahndete Handszene von Marc Cucurella im Strafraum, die in Deutschland tagelang nachhallte. Am Ende entschied Merinos Kopfball nach einer Standardsituation das Spiel.

Was bleibt: Deutschland hat gegen den späteren Europameister auf Augenhöhe agiert, ohne ihn aber wirklich aus dem Konzept zu bringen. Spanien war strukturell, im Pressing und in der individuellen Klasse einen Tick voraus. Das ist keine Schande — aber es ist auch keine Grundlage für die Erzählung, man sei "eigentlich schon wieder oben". Der Abstand zur absoluten Weltspitze ist kleiner geworden. Verschwunden ist er nicht.

Quoten, Erwartungen und die Debatte um 2026

Schon während des Turniers verschoben sich die Erwartungshaltungen rasant. Vor dem Eröffnungsspiel hatten die Buchmacher Deutschland nur als zweite Reihe gehandelt — hinter Frankreich, England und Spanien. Nach dem Schottland-Spiel zogen die Quoten spürbar an, vor dem Viertelfinale lag die DFB-Elf in vielen Märkten im erweiterten Favoritenkreis. Nach dem Aus folgte die typische Korrektur: Für die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wird Deutschland wieder als Außenseiter in der zweiten Reihe gelistet, klar hinter Frankreich, Spanien, England, Brasilien und Argentinien.

Wie realistisch diese Einschätzung ist, wird in der Fan- und Wettszene seitdem intensiv diskutiert. Im Z3 Forum, einer deutschsprachigen Community rund um Sportwetten und Quotendebatten, drehten sich nach dem Turnier viele Threads um genau diese Frage: Hat die Heim-EM ein verlässliches Fundament gelegt, oder war sie ein Turnier-Hoch, das sich in der Qualifikation und in zwei Jahren Vorbereitung wieder relativiert? Die Argumente gehen in beide Richtungen — von der jungen Achse Musiala/Wirtz/Tah bis zur Unsicherheit auf den Außenverteidigerpositionen und im Sturmzentrum nach Kroos und Gündoğan.

Sicher ist nur: Der DFB-Tross reist mit deutlich mehr Substanz in die WM-Qualifikation als noch vor einem Jahr. Das ist die nüchterne Bilanz.

Was bleibt — und was Nagelsmann jetzt entscheiden muss

Nagelsmann hat seinen Vertrag bereits vor dem Turnier bis 2026 verlängert, eine ungewöhnliche, aber im Rückblick kluge Entscheidung des DFB. Der Bundestrainer muss nun zwei Dinge parallel managen: den Generationenübergang nach Kroos, Gündoğan und potenziell weiteren Routiniers — und den Aufbau einer Mannschaft, die in Nordamerika unter teils extremen klimatischen Bedingungen Turnierfußball spielen kann.

Personell deuten sich Baustellen an: Linksverteidiger ohne den ausgewechselten Maximilian Mittelstädt-Dauerlauf, Sturm mit oder ohne Füllkrug, Sechserposition ohne Kroos. Auch die Frage, ob ein Leroy Sané — bei dieser EM kein Faktor — den Weg zurück findet, ist offen.

Was bleibt vom Sommer 2024, ist weniger ein zweites Sommermärchen als ein Reset. Die Stimmung im Land hat sich gedreht, die